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Siedlung Sonnenhalde

In der neuen Siedlung Sonnenhalde I werden künftig rund 1’000 Menschen leben. Das entspricht in etwa der dreifachen Dichte der heutigen Siedlung, die sich zwar als Gartenstadt versteht, der es für eine höhere Dichte aber vor allem an Flächen zur gemeinschaftlichen Aneignung fehlt.
Wir sind davon überzeugt, dass bei dieser hohen Dichte nur dann soziale Nachbarschaften entstehen können, wenn man sowohl die Häuser als auch die Aussenräume kleinteilig denkt und sie programmatisch wie sozial durchmischt.
Hierfür setzen wir vier unterschiedliche Arten von Häusern ein, die alle den kleinstmöglichen Fussabdruck besitzen: Sieben Punkthäuser, sechs Langhäuser, zwei Turmhäuser und ein Hofhaus. Die zwei Bestandshäuser an der Leimbachstrasse werden saniert, der Quartierladen erhält eine Aufstockung. Die Lücken zwischen den Häusern erlauben Durchblicke und helfen den Bewohnerinnen, sich zu orientieren. Inhaltlich dienen alle Häuser dem Mehrgenerationenwohnen.
Das Hofhaus platzieren wir direkt an die Leimbachstrasse und vis-à-vis zum bestehenden Haus mit dem Quartierladen. Dazwischen entsteht ein ebener Freiraum, den wir Marktplatz nennen. Die Bäckerei und der Gastronomiebetrieb im Erdgeschoss tragen gemeinsam mit dem Lebensmittelgeschäft gegenüber zur Verpflegung des Quartiers bei, vor allem aber sorgen sie für Ereignisdichte: Dank der Südausrichtung lässt sich das Erdgeschoss an warmen Tagen nach aussen erweitern, was den Marktplatz zusätzlich bereichert. Die direkte Lage des Hofhauses an der Strasse und die Nähe zur Bushaltestelle schaffen eine optimale Grundlage für eine hohe Kundenfrequenz.
Mit dem bestehenden Gebäude im Norden hingegen erzeugt das Hofhaus einen kleinen Werkplatz, auf dem die Bewohnerinnen basteln, sägen und hämmern können.
Der Spielplatz ist der dritte Aussenraum, der das Hofhaus umgibt. Er ist das Bindeglied zwischen Markt- und Werkplatz und führt mit einer grosszügigen, bewachsenen Treppe zur Gasse und damit in das Innere der Siedlung.
Die sechs Langhäuser in der Mitte der Siedlung stehen konisch zueinander. Der Aussenraum dazwischen weitet sich gegen Süden aus und wird zu einer Wiese. An der breitesten Stelle liegt der Kindergarten, eingebettet in das Terrain und umgeben von Baumgilden verstehen wir ihn als eine Art Wald-Kindergarten.
Die sieben Punkthäuser schliesslich vermeiden bewusst eine Parallelität mit den Langhäusern. Stattdessen sind sie, genau wie die beiden Turmhäuser am Ende der Siedlung, leicht abgedreht, wodurch eine Sequenz an dreieckigen Freiräumen entsteht.
Diese Freiräume kann man sinnbildlich als Bühne betrachten, die von den Bewohnerinnen angeeignet werden. Frei nach Aldo Rossi fördern wir dort mit architektonischen Mitteln nachbarschaftliche Ereignisse, unabhängig davon, ob sie eintreten oder nicht. Die Menschen, die im Erdgeschoss ein- und ausgehen, ihre Velos reparieren, ihre Wäsche waschen, den Nutzgarten pflegen, ihren Kinderwagen abstellen oder einfach nur die Post abholen, werden die Bühnen auf unterschiedlichste Art und Weise bespielen.
Die Fassaden der Häuser bilden die Kulissen der Bühnen, entweder als Balkonschicht, an der Vegetation emporwächst, oder als begegnungsfördernde Laubengänge. Auf jeder Bühne wird abhängig vom Charakter der Bewohnerinnen ein anderes Stück gespielt. Es handelt sich um die kleinsten Freiräume unseres Projekts, die unsere Ausgangsthese unterstreichen, dass für lebendige Nachbarschaften innerhalb einer Siedlung mit über 1’000 Personen sowohl bei den Häusern als auch bei den Aussenräumen kleinmassstäbliche und durchmischte Strukturen erforderlich sind.

Ort

Zürich

Jahr

2024

Auftragsart

Wettbewerb, nach Präqualifikation

Auftraggebende

Baugenossenschaft Freiblick

Team, Wettbewerb

Philipp Fischer (Partner), René Müller (Partner, Projektleitung), Kadir Asani (Associate), Bastian Hess, Greta Swain

Landschaftsarchitektur

SKALA Landschaft Stadt Raum

Modellbau

Thomas Kubli

Modellfotografie

Yves Kubli